Eingesperrte Menschen brauchen sich nicht viele Gedanken zu machen, was ihnen Freiheit bedeutet. Ketten lösen und Mauern
durchbrechen sind seit den Sklavenaufständen der Antike Symbole der Freiheit. Doch was ist Freiheit,
wenn man sie im politischen Sinne hat, weil frühere Generationen dafür gekämpft haben? Was bedeutet uns
Freiheit, wenn ausser den Gesetzen des Rechtsstaates und den Gesetzen des Marktes (die übrigens leider auch
Mauern zwischen arm und reich aufbauen) für ein gutes Zusammenleben keine weiteren Einschränkungen der
Freiheit des Einzelnen bestehen?
Tiefschneeabfahrten in unberührtem Schnee; Reisen in alle Ecken der Welt; mit solchen Bildern drücken viele
Menschen in unseren Breitengraden ihr Freiheitsgefühl aus. Vor allem in der Natur erfahren sich Menschen als
frei; frei vom Alltagsdruck und beruflichen Pflichten. Jeder Mensch braucht Orte und Zeiten, da er sich frei
fühlen kann von Zwängen, die ihn einengen und manchen im Strudel der hohen beruflichen Anforderungen fast erdrücken.
Freiheit, einer der höchsten Werte moderner Gesellschaften, muss aber noch mehr sein als die Freiheit VON etwas und
auch mehr als das Freiheitsgefühl in der Freizeit. Die freiesten Menschen, denen ich begegnet bin, sind Männer und
Frauen, die für sich selbst wenig wünschen und sich für Menschen einsetzen, die auf Hilfe angewiesen sind. Dabei
erfahren sie Sinn und leben ohne Angst um sich selbst. Das bedeutet Freiheit auch: ohne Angst leben zu können.
Und nicht zuletzt ist wahrhaft frei, wer nichts zu verlieren hat! Die kräftig-schrille Stimme der Rocklegende Janis
Joplin hat dieses (alte) Ideal in den 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts für eine nach Freiheit von alten Mustern
dürstende Generation neu aufbereitet: «Freedom is just another word for nothing left to loose».
Mir scheint, das ist auch im 21. Jahrhundert ein Aspekt der Freiheit, der wahrhaft befreit.
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