Zwar füllen die Ratgeber zur Selbstverwirklichung ganze Bücherregale; trotzdem fällt es vielen Menschen schwer,
sich für sich selbst und für die Befriedigung der eigenen Bedürfnisse einzusetzen. Man exponiert sich und macht
sich unter Umständen unbeliebt. Leichter ist es, sich für andere einzusetzen. Und es kann passieren, dass vor
lauter Bedürfnissen der anderen, die eigenen Wünsche gar nicht erkannt werden oder untergehen. Klar: nur für
sich selbst zu sorgen ist egoistisch. Doch sich selbst Sorge zu tragen, die eigenen Bedürfnisse zu achten,
anzumelden und mit der nötigen Fairness durchzusetzen, ist im wahrsten Sinne des Wortes «notwendig«, um nicht
auszubrennen oder sich selbst im Dienst an einer Sache aufzugeben.
Wer klar und deutlich sagen kann, was sie/er braucht, damit es ihr/ihm gut geht bei der Arbeit oder in
Familie und Freundschaft, zeigt sich als Persönlichkeit und wird wahrgenommen. Dabei das Risiko zu tragen,
unter Umständen zurück gewiesen zu werden, stärkt die Persönlichkeit ebenso wie die konkrete Erfahrung der Zurückweisung.
«ICH» hat nicht nur den negativen Klang des Egoismus, sondern auch den positiven, wenn ich mir des Wertes meiner eigenen
Person bewusst bin. Es heisst doch: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst! Sich selbst zu lieben,
will auch gelernt sein und darf sein!
9