Schon der weise Sokrates hat sich vor mehr als 2400 Jahren über die «heutige Jugend» beklagt: «Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.» Seit eh und je kämpft jede Generation ihre Kämpfe, die einen lauter, die anderen leiser. Abgrenzung, anders sein zu wollen, Neues auszuprobieren, an und auch über die Grenzen zu gehen, das gehört zur Jugend. Mancher, der sich in der Jugend zum Leidwesen der Erwachsenen ausgetobt hat, führt später ein Leben, das sich nur wenig von demjenigen seiner Eltern unterscheidet. Den nicht mehr Jungen, den Älteren und Alten obliegt die Aufgabe, eine Balance zu finden, zwischen beidem: Freiräume zu ermöglichen und Grenzen zu setzen, Loszulassen und Halt zu geben. Hilfreich ist auch, zu realisieren und anzuerkennen, selbst zu einer anderen Generation zu gehören. Mir scheint, dem heutigen Trend zum fast zwanghaften Jungbleiben in einer Gesellschaft, die immer älter wird, haftet mehr und mehr etwas Peinliches an. Jedes Lebensalter hat doch seinen Sinn, seine Freuden, seine Nöte. Aber wenn es gelingt, die Neugierde zu erhalten, diese Offenheit der Zukunft gegenüber, diese unbändige Kraft der Jugend zu hoffen, dass die Zukunft etwas gutes für uns bereit hält; dann können uns selbst die Beschwernisse des Alterns nicht schrecken. Jung bleiben würde dann heissen: Bereit bleiben für die Überraschungen des Lebens.
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