«In der Nacht sind alle Kühe schwarz», sagt der Volksmund. Das mag für Kuhweiden zutreffen.
In modernen Städten sind die Lichter so stark, dass das bunte Leben in allen Schattierungen zu Tage tritt:
In den Strassen der Vergnügungsviertel, in Bars, Clubs und Hinterhöfen, an Taxiständen, auf Polizeiwachen und Notfallstationen...
Die Nacht bringt Dinge an den Tag, die der Tag gern verschweigt: Sucht, Gewalt, Prostitution, Einsamkeit, Not.
Menschen, die nachts arbeiten, sehen die dunkle und verschwiegene Seite des Lebens mehr als andere. Sie sehen hin,
wo andere wegsehen. Im übertragenen Sinne wage ich zu sagen: Wer nachts sieht, sieht mehr vom Leben! Nachts
wird der Blick geschärft für die Probleme der Gesellschaft. Und es braucht für die Sehenden viel Anstrengung
und Umsicht, sich vom Sog des Blickes auf die dunkeln Seiten des Lebens nicht in Zynismus und Verbitterung
hineinziehen zu lassen, besonders wenn sie sehen, dass Probleme eigentlich lösbar wären, aber der politische Wille zur Lösung fehlt.
Unsere Gesellschaft ist auf NachtarbeiteterInnen angewiesen, die ihre Arbeit trotz der Gefahr von gesundheitlichen Beeinträchtigungen
tun, und die auf die aktuellen Probleme hinweisen, die anzupacken sind. Hinsehen ist der erste Schritt zur Veränderung.
Wer genau hinsieht muss mit brennenden Augen und einem brummenden Kopf rechnen, wie nach einer durchgearbeiteten Nacht! S
ehen deswegen viele Menschen lieber weg?
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