Auf einmal wird sie sichtbar! Erahnt und erhofft auf dem beschwerlichen Anstieg über Alpweiden und Schotterfelder sprudelt sie zwischen den Felsen hervor: Die Quelle! Eine Entdeckung, die für mich jedes Mal eine beglückende Erfahrung ist. Das frische und ungetrübte Wasser stillt den Durst der müden Wanderin. Eigentlich ist das eine ganz banale Erfahrung, den Durst zu löschen mit kühlem Quellwasser. Ein menschliches Grundbedürfnis wird befriedigt; nicht mehr und nicht weniger. Aber eben doch mehr, weil wir ohne Wasser nicht leben können und die Quelle nicht von Menschenhand geschaffen ist. Es ist nicht nur der Blick der Theologin, die hier mehr sieht als einfach Wasser und man muss nicht besonders religiös sein, um im Bild der Wasserquelle auch ein Symbol für die Lebensquelle zu sehen. Wir leben alle aus Quellen, die wir selbst nicht schaffen, nennen wir sie nun Gott, den Urgrund allen Seins, die Kraft des Lebens oder den Zyklus der Natur. Der Name der Quelle ist nicht entscheidend, jedoch die Bereitschaft, sich immer wieder aufzumachen, die Quelle(n) des Lebens zu suchen! Eine Bergwanderung kann durchaus ein Weg zur Quelle sein, wobei nicht nur das Quellwasser den Durst löscht - auch die Erhabenheit der Bergwelt kann darauf hinweisen, dass wir nicht aus uns selbst leben. Auf den Blick kommt es an. Andere finden die Quelle in der Wüste oder in der Stille einer Kirche und wieder andere in Worten, die gut tun und den Geist erfrischen.
Wie stille ich meinen Durst nach Leben?
17