Was einst mit den Zehn Geboten begann, braucht heute unzählige Gesetze, Verordnungen und Verfügungen und ebenso
viele Menschen, die für deren Einhaltung und Durchsetzung sorgen. Ein Rechtsstaat ist ein Rechtsstaat,
weil sein demokratisch legitimiertes Recht das friedliche Zusammenleben der Menschen möglich macht, obwohl
Menschen miteinander nicht immer friedlich umgehen. Hass, Gier und Gewalt gehören genauso zum Menschsein wie Liebe,
Mut und Freundlichkeit. Recht minimiert Gewalt, regelt Konflikte und schützt wechselseitige Verhaltenserwartungen.
Wo Menschen den Schutz des Rechts vor dem Recht des Stärkeren erfahren, findet Recht seinen Sinn. Das war bei der
Absicht der Zehn Gebote nicht anders als es heute mit dem Sinn und Zweck des Rechtstaates der Fall ist. Und wer das
Recht zu seinem persönlichen Vorteil beugt oder immer neue Lücken sucht, um sich einen Vorteil zu verschaffen, verfehlt
seinen Sinn. Damit Recht nicht zu Unrecht wird, braucht es eine stetige Auseinandersetzung mit dem, was Menschen durch
die Jahrhunderte und über die Kontinente hinaus unter Gerechtigkeit verstehen. Wo sich Recht und Gerechtigkeit berühren,
entsteht Frieden. Das ist eindrücklich zu sehen in Staaten, in denen Gerichte nach dem Sturz von Unrechtregimes
die Verantwortlichen verurteilen und Opfer oder deren Angehörige zu ihrem Recht kommen. Erst dann wird Frieden möglich.
In einem Rechtsstaat ringt Recht um Gerechtigkeit und alle, die an dieser steten Auseinandersetzung mitwirken, tun ihre Pflicht,
die das Recht braucht wie das Feuer den Sauerstoff! Dass die Polizei nicht immer glücklich ist über eine Rechtspraxis, die ihrer
Wahrnehmung nach den Kampf gegen Kriminalität zu wenig gerecht werden kann, ist eine Realität, mit der PolizistInnen auch
Dank einer ethisch fundierten Haltung umgehen können.
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