Der wunderbare Kraftstoff für unzählige grosse Werke der Menschheit ist die Sehnsucht. Sie schuf und schafft
Liebesgedichte mit betörender Wirkung, Musik, die Menschen berührt, fantastische Bauwerke und vieles mehr, was gut tut,
gefällt und hilft. Jeder Mensch lernt die Sehnsucht früher oder später kennen. Manchen wird sie eine Lust, die durchs
Leben trägt und viele Talente freigibt und fördert. Anderen wird sie zur Last, wenn die Sucht nach dem, was ersehnt wird,
ins Bodenlose fällt und jeden Realitätsbezug verliert.
Sehnsucht sucht das Ideale und will immer mehr, als das was ist: perfekte PartnerInnen, ideale ChefInnen, harmonische
Familien und eine gerechte Gesellschaft. Wir haben im Kopf eine Idee, wie es sein sollte – aber nicht sein kann, weil
die Menschen, die wir sind, nicht ganz dazu passen. Und doch steckt irgendwo in unseren Herzen und Gedanken eine Ahnung,
wie es sein könnte, das DAS nachdem wir uns sehnen: Harmonie, Ruhe, Liebe, Heimat, Gerechtigkeit...(Von dieser Ahnung erzählt
übrigens die Paradiesgeschichte der Bibel: Wie die ersten Menschen in Frieden und Eintracht gelebt haben bis
sie den Apfel assen mit allen Konsequenzen. Seither lässt sie die Sehnsucht nach dem Paradies nicht los.)
Die Kunst ist, sich von der Sehnsucht leiten zu lassen; nicht von ihr verzehrt zu werden. Ideale sind Wegweiser - keine
Schablonen für die Wirklichkeit. Die Paradiesgeschichte ist unter anderem ein Versuch, die Spannung von Sehnsucht und Realität
als menschliche Eigenheit zu verstehen.
Uns bleibt der Blick für das, was da ist: Jetzt, hier, mitten unter uns, in uns, um uns. Da gibt es auch Liebe und Ruhe,
Heimat und Gerechtigkeit, gute ChefInnen und liebe PartnerInnen... einfach nicht so perfekte!
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