Es gibt die Tapferkeit der Leidenden und die Tapferkeit der Mutigen und manchmal kommt beides zusammen, wenn die
Mutigen leiden und die Leidenden mutig sind. Die Tapferkeit muss aushalten, was uns der Mut einbrockt und das Leben
zumutet. So gesehen verdienen alle Menschen, die in ihrem Leben Schweres zu bestehen haben und nicht aufgeben, eine
Tapferkeitsmedaille! Und die, welche genug Kraft haben, sich mutig gegen Unrecht zu wehren, bekämen sie sowieso!
Tapfere Menschen wissen um ihre Verwundbarkeit und kennen die Angst, doch sie kapitulieren nicht - weder vor der einen noch
der anderen. Tapferkeit der Mutigen heisst, dem Risiko der eigenen Verletzlichkeit gewachsen zu sein und die Gefahren um der
Rettung oder der gerechten Sache willen
einzugehen. Das unterscheidet die Tapferkeit von der ungestümen Kühnheit, die Risiken übersieht und von Geltungsdrang getrieben wird.
Tapferkeit verhält sich umgekehrt proportional zu guten Zeiten – je besser es den Menschen geht, umso weniger Tapferkeit ist nötig.
Daher wünsche ich mir eigentlich nichts mehr, als dass es von dieser alten Tugend möglichst wenig braucht!
Dass sich aber dort, wo sie nötig ist, viele Menschen mutig für ein besseres Leben einsetzen und dabei tapfer genug sind, wenn
es denn sein muss, für sich selbst ein schlechteres über kürzere oder längere Zeit zu ertragen.
Tapferkeit ist mit Verzicht, Einschränkung und manchmal gar mit Schmerzen und Verlust verbunden. Menschen, die zu lange tapfer sein müssen,
drohen zu verbittern. Nicht alle haben die Charakterstärke eines Nelson Mandela, der nach mehr als
zwanzig Jahren im Gefängnis eines Unrechtsregimes aufrecht in die Freiheit trat. Es ist keine Schande, nicht tapfer zu sein!
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