Hundert? Tausend? Hunderttausend? Franken? Euro? Dollar? Ab wann wird ein Mensch bestechlich und warum werden die einen schwach und andere nicht? Antikorruptionsgesetze setzen Massstäbe und die Empörung über Bestechungsskandale, die öffentlich werden, ist jeweils gross. Die beste Prävention vor Bestechung und Korruption sind aber nach wie vor eine gute Entlöhnung und Ausbildung der Staatsangestellten, faire und transparente Bewilligungsverfahren und die konsequente Anwendung gesetzlicher Vorschriften. Vertrauen in ein funktionierendes Gemeinwesen lassen Bestechungsvorhaben gar nicht erst aufkommen. Unbestechlichkeit als ethischer Wert umfasst jedoch mehr als die Stärke, die beruflichen Pflichten über den eigenen Vorteil zu setzen, sei er finanzieller oder anderer Art. Unbestechlichkeit hat mit Treue zu sich selbst zu tun und zu den Menschen und Werten, die im eigenen Leben zählen. Unbestechliche lassen sich in ihren lauteren Absichten nicht beirren durch die Verlockungen von Reichtum, Macht und schnelllebigem Glück. Sie lassen sich auch sonst nicht so leicht vom Weg abbringen, den sie für den richtigen halten. Sie glauben nicht alles, was gesagt und versprochen wird. Sie schlucken nicht alles, was ihnen vorgesetzt wird. Sie tun nicht alles, was von ihnen verlangt wird. Sie wählen und gehen ihren Weg aus Überzeugung. Unbestechliche ecken an, weil sie sich nicht hergeben für die Zwecke anderer, mit denen sie nicht einverstanden sind, auch wenn die anderen in der Mehrheit sind. Ein bequemer Weg ist das nicht. Nicht selten führt er in die Einsamkeit. Doch früher oder später ist den Unbestechlichen Achtung und Respekt gewiss. Es hat uns ja auch niemand versprochen, das Leben mit aufrechtem Gang sei bequem.
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