«Vertrauen ist gut. Kontrolle ist besser.» Wohl oder übel steckt in dieser Aussage*) viel Wahres! Wo kämen wir hin, wenn gerade die Polizei oder die Feuerwehr vertrauensselig Kontrollen vernachlässigen würden! Man stelle sich die Zustände auf unseren Strassen vor ohne Geschwindigkeits- und Alkoholkontrollen oder die Sicherheit in Sporthallen und Spitälern ohne funktionierende Brandmeldesysteme. Sicherheit braucht Menschen, die ihren Mitmenschen in gesundem Masse misstrauen und kompromisslos Kontrollen durchführen. Erstaunlich ist doch auch, was alles ohne Kontrolle funktioniert und wie viele Menschen ihre Freiheit nicht auf Kosten anderer ausnutzen. Wenn dem nicht so wäre, würde keine freiheitliche Gesellschaft auf Dauer funktionieren. Ohne Vertrauen läuft nichts! Ich vertraue darauf, dass der Boden trägt, auf dem ich gehe und dass der morgige Tag kommt, wie schon alle Tage vor ihm. Mein Vertrauen wächst, wenn ich gute Erfahrungen mit jemandem oder etwas gemacht habe - natürlich: es nimmt auch ab, wenn die Enttäuschungen zunehmen. Doch entgegen allen ökonomischen Gesetzen bleibt trotz Vertrauensverlusten so etwas wie eine eiserne Reserve auf dem Vertrauenskonto bestehen. Wer lebt, vertraut, denn Leben ohne Vertrauen ist kein Leben! Da ist irgendwo im menschlichen Herzen ein Vertrauensbonus, der uns hilft zu leben - Gottvertrauen oder Überlebenswille - auf alle Fälle ist es eine Risikobereitschaft für das Leben. Wer vertraut, muss damit rechnen, enttäuscht zu werden. Mit dieser Unsicherheit leben wir, aber auch mit der Gewissheit, dass Vertrauen von Menschen erwidert wird, die ebenso vertrauen wie wir und ebenso risikobereit sind wie wir. Ein Klima des Vertrauens lässt Menschen wachsen. Manchmal ist Vertrauen besser als Kontrolle.

*) Der Ausspruch soll von Lenin stammen, gesichert ist das jedoch nicht.
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