«Raus mit der Wahrheit!» Ja, wenn das so einfach wäre! Gibt es nicht vielmehr Wahrheiten und nicht nur die eine Wahrheit?
Davon könnten RichterInnen in Scheidungsfällen unendlich viel erzählen!
Wahrheit nehmen wir mit unseren Sinnen wahr - menschliche Wahrnehmungsfähigkeit leidet unter vielen Trübungen und Sinnestäuschungen.
Und manche und mancher ist bei der Wahrheitsfindung versucht, sich selbst jeweils besser dastehen zu lassen als die anderen.
Nichts desto trotz gibt es Wahrheit in den vielen Wahrheiten und Menschen, die sich unermüdlich in den Dienst der
Wahrheit stellen und mit Hartnäckigkeit und Akribie nach ihr suchen. Ohne Wahrheit, die als solche nach bestem
Wissen und gründlicher Prüfung anerkannt wird, kann nicht aus Fehlern gelernt werden, kein Unrecht wieder gut
gemacht und kein Verbrechen bestraft werden.
Ohne Wahrheit gibt es keine Zukunft! Das gilt für Täter wie für Opfer, für Schuldige wie für Unschuldige
und für jede und jeden die/der das Leben hemmende Verhaltensmuster verändern möchte. Deswegen heisst es: Die Wahrheit macht frei!
Erst die Konfrontation mit dem Geschehenen, mag es auch noch so grausam sein, macht es den Betroffenen möglich,
sich zum Guten zu verändern und seelische Verletzungen zu heilen. Lügen haben kurze Beine, weil sie für Schritte in die Zukunft nicht taugen.
Und da, wo die Wahrheit trotz aller Anstrengung nicht zu finden ist, bleibt immer noch die Aufrichtigkeit, sich einzugestehen,
dass es ganz anders gewesen sein könnte. Menschliche Wahrnehmungsfähigkeit ist auch ohne schlechte Absichten begrenzt.
Dann hilft gerade diese Wahrheit den um die Wahrheit streitenden einen Schritt aufeinander zu zugehen,
indem man die ganze Sache mit den Augen des anderen zu sehen versucht.
Nicht anders ist es mit den religiösen Wahrheiten der Menschheit: Auch da braucht es die Aufrichtigkeit der Gläubigen,
dass die andere Religion die wahre sein könnte, ohne die selbst erfahrene Wahrheit aufzugeben.
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