Für die Gesunden wird sie oft unmerklich zur Selbstverständlichkeit – für manche, die sie verloren haben, zum höchsten Gut: Die Gesundheit! Die LeserInnen erlauben mir diese orthographische List. Xylophon gibt ethisch nichts her - die Gesundheit umso mehr: Wie viel anderes in unserem Leben ist Gesundheit ein Geschenk, das niemand ein Leben lang besitzt. Für Geschenke soll man dankbar sein und sie sorgsam hüten. Wie das mit der Gesundheit geht, ist längst bekannt: Eine gute Balance zwischen Arbeit und Ruhen gehört dazu, Bewegung, ausgewogene Ernährung, wenig Alkohol, nicht Rauchen usw...Unzählige Gesundheits- und Fitnessberater geben uns Tipps, wie wir bis ins hohe Alter gesund bleiben können. Das ist alles sinnvoll und hilfreich. Und doch gibt es eine schleichende Entwicklung, die mir Sorgen macht: Der finanzielle Druck der hohen Gesundheitskosten wird immer mehr zum moralischen Druck. Dann heisst es schnell mal:„ Selber schuld! Er/Sie hätte eben weniger arbeiten, rauchen, trinken, essen... oder dieses oder jenes tun oder lassen sollen.“ Manch gut gemeinter Ratschlag wir zum ungewollten Schuldspruch und Entscheide von Krankenversicherungen zum harten Urteil mit schwer wiegenden finanziellen Folgen. Schuldzuweisungen sind bei kranken Menschen fehl am Platz; auch wenn allen ein gewisses Mass an Eigenverantwortung für das eigene Leben zugetraut werden darf. Krankheiten muten uns zu mit Einschränkungen zu leben. Früher oder später steht diese Lektion auf jedem Lebenslehrplan. Gesundheit ist nicht das höchste Gut. Leben ist mehr als gesund sein. Viele kranke Menschen, auch schwer Kranke, erfahren Sinn in ihrem Leben, weil sie nach wie vor Freude am Leben haben und sei es nur an der Amsel, die vor ihrem Spitalfenster singt. Freude ist auch der Schlüssel für die Eigenverantwortung in Sachen Gesundheit: Freude an der Bewegung, Freude an einem guten Körpergefühl, Freude am Genuss der Köstlichkeiten, die Natur und Menschenhand für unseren Gaumen bereit halten, und Freude am Leben jeden neuen Tag!
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